Geschichte der Taunusbahn

Eine Erfolgsgeschichte

Logo der TaunusbahnBis Ende der 60er-Jahre fuhr die Taunusbahn von Bad Homburg über Usingen nach Grävenwiesbach und mit weiterführenden Zügen bis Weilburg und Wetzlar. Niedrige Auslastung und Reduzierung des Fahrtenangebots führten dazu, dass die Strecke zwischen Wetzlar und Grävenwiesbach 1985 für den Personenverkehr durch die damalige Bundesbahn ganz stillgelegt wurde.

Als die DB auch der Reststrecke keine Zukunft mehr gab, ließ der Hochtaunuskreis die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes durch eine nichtbundeseigene Eisenbahn untersuchen. Die Gutachten waren durchweg positiv, so dass 1988 auf Beschluss des Kreistages der Zweckverband "Verkehrsverband Hochtaunus" (VHT) als Träger des Eisenbahnbetriebes ins Leben gerufen wurde.

Plakat der TaunusbahnEine der ersten Amtshandlungen des VHT war 1989 der Kauf der Strecke Friedrichsdorf - Grävenwiesbach. So war der Hochtaunuskreis Anfang der 90er-Jahre der erste Landkreis in Deutschland, der eine von der Bahn aufgegebene Trasse kaufte, um sie in eigener Regie zu betreiben. Mit der Übernahme der Taunusbahn wurde auch das gesamte Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs im Hochtaunuskreis neu geordnet. Die Omnibuslinien führen seitdem auf die Eisenbahn zu. Parallelverkehre gibt es nicht mehr. Auch die Schülerbeförderung wurde weitgehend integriert.

Im Führerhaus eines TSB-ZugesIn einer Bauzeit von lediglich 18 Monaten - was anfänglich selbst Bahnexperten unvorstellbar erschien - wurden die Voraussetzungen für das zeitgemäße Angebot der Taunusbahn geschaffen. Die wichtigsten dieser Voraussetzungen für eine Steigerung des Fahrgastaufkommens waren und sind: die Attraktivität des Angebots hinsichtlich Reisezeit und -komfort, die Direktverbindungen in die Zentren und eine übersichtliche Tarifgestaltung.

Die Taunusbahn ist an das S-Bahn-Netz angebunden. Vor Beginn der Kooperation mit dem damaligen Frankfurter Verkehrsverbund, dann mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, mussten beim Umsteigen von Buslinien auf S- und U-Bahn-Linien neue Fahrscheine gelöst werden. Jetzt gelten einheitliche Tarife, und es muss nur noch ein Ticket für alle Ziele innerhalb des Verbundgebietes gelöst werden.

Der Verkehrsverband Hochtaunus bewirkte als neuer Betreiber außerdem ein Verkehrskonzept, das einerseits werktags einen 30- bis 60-Minuten-Takt und eine Fahrzeit von rund 60 Minuten für die 53 Kilometer von der Endhaltestelle in Grävenwiesbach zum Frankfurter Hauptbahnhof garantierte, andererseits Personal- und Betriebskosten reduzierte. Inzwischen gibt es an Werktagen zusätzlich 16 Direktverbindungen ohne Umsteigen nach und von Frankfurt.
Ein Zug der Taunusbahn im Sommer, inmitten gelber Rapsfelder
Der in Zahlen messbare Erfolg hat das Konzept bestätigt: Seit der Betriebsaufnahme der Taunusbahn hat sich das Fahrgastaufkommen von ehemals 1.500 auf über 9.000 Fahrgäste verfünffacht. Aus einer bequemen und schnellen Bahnverbindung als Rückgrat des Verkehrs, einem völlig neu gestalteten Busnetz und attraktiven Tarifen ist ein Nahverkehrsangebot entstanden, das sich bei den Kunden steigender Beliebtheit erfreut. Der Verkehrsverband Hochtaunus hat damit den Beweis erbracht, dass trotz der Zunahme des Individualverkehrs der Öffentliche Personennahverkehr auch heute noch in der Fläche gute Chancen hat.

Sieben Jahre nach dem erfolgreichen Start erhielt die Erfolgsstory "Taunusbahn" mit dem Baubeginn für die etwa acht Kilometer lange Verlängerung der bis nach Waldsolms-Brandoberndorf eine Fortsetzung.

Ein Tunnel auf der Strecke der TSBDie mit etwa 13 Millionen DM abgerechneten Bauarbeiten dauerten nur ein Jahr. Ab dem Fahrplanwechsel im Mai 2000 konnten dann auch die Fahrgäste aus dem Lahn-Dill-Kreis die schnelle und bequeme Verbindung nach Frankfurt nutzen. Die Fahrzeit nach Frankfurt beträgt etwa 74 Minuten, von Brandoberndorf nach Bad Homburg 54 Minuten.
Mit der Weiterführung nach Brandobendorf - neue Haltestellen sind die Waldsolmser Ortsteile Hasselborn und Brandoberndorf - verlängerte sich die Taunusbahn-Trasse nicht nur von 29,5 auf etwa 37,5 Kilometer, auch der 1.300 Meter lange Grävenwiesbacher Tunnel, den jahrelang nur Fledermäuse nutzten, erhielt seine Funktion zurück.

Wenn die Prognosen stimmen, dann werden der Hochtaunuskreis und die anschließenden Gebiete bis zur Lahn, auch der benachbarte Wetteraukreis, mit einer ständigen Zunahme der Bevölkerung rechnen müssen. Der Hochtaunuskreis geht von etwa 240.000 Einwohnern im Jahr 2010 aus.

Plakat für die TSB von Schülern, aus dem Jahre 1993Es bringt nichts, so die Philosophie des Landkreises, einseitig auf den ÖPNV zu setzen oder den Straßenbau gegen den ÖPNV auszuspielen. Die gewaltigen Pendlerströme auf einigen wichtigen Querverbindungen im Taunus - zum Beispiel Bundesstraße 455 im Bereich Bad Homburg/Saalburg oder die B 8 in der Region Königstein - haben eine ganz andere Zielrichtung als die Benutzer der Taunusbahn und können gar nicht vom Auto auf dieses öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Bei allen Planungen muss also das gesamte Verkehrsaufkommen - Schiene und Straße - im Hochtaunuskreis und in der Region im Blick behalten werden. Dabei wird die Taunusbahn weiterhin eine wichtige Rolle spielen.